| Zum Thema Space : ein Text von a.m.h. erschienen bei : 
Nr.2/07 Zeit ohne Grenzen
Der Mann dachte eine Weile nach, dann schlug er
die Zeit beherzt tot.
So ähnlich erging es mir mit sechzehn im Proberaum der Brüder Maahn, als unser geliebtes Dynacord - Bandecho seinen Space aufgab, und
Wolf und ich in einer Stimmung aus Verzweiflung, Ungläubigkeit und verkifft
humoriger Abgedrehtheit der alten Kiste mit einem Lötkolben zu Leibe rückten
und ihm einen phänomenalen Kurzschluss beibrachten. Wie immer in solchen
Situationen, war kurz zuvor der beste Sound überhaupt zu hören gewesen, aber mehr davon hatte wohl nicht sollen sein - der Wiederhal selbstversunkener
hippieesker Gitarren - Meditationen fand vorerst ein wahrscheinlich verdientes
Ende beim letzten Aufbäumen einer Todes - sehnsüchtigen Magnetband - Maschine.
Der Mensch will resonieren, sucht nach Reflexionen und
Antworten. Das Erlebnis des eigenen Rufens, das sich in Form eines Echos als ein Stück eigene Vergangenheit in die Zukunft projiziert, ist archaischstes
Entertainment und Schicksal zugleich. Im Klartext : Das Alpenecho war für Jodeler in gleichem
Maße attraktiv, wie das "Echoplex" für den Leadgitarristen von Led
Zeppelin.
Wer das singuläre Spiel mit sich selbst und den
magnetisch abgebildeten Resonanzen und Reflektionen mochte, weiß, wie tief die
Räume sein können, in denen man sich verliert, irgendwie auto - erotisch. Ich
habe das immer gemocht. Das Richtige für damals schüchterne, pubertierende „Pickelfaces", die mit Echogerät, Amp, Gitarre und Playboy, das Universum
in ihren Dachzimmern entdecken dürften.
Die serielle Sequenz in ihrer mathematisch umgänglichen Struktur und Wiederholbarkeit innerhalb eines durch Motorumdrehung und
Tonkopfstellung bestimmten Zeitrasters vermittelt ein stetiges und
übergeordnetes Universum in dem man sich gerne aufhält, trotz der Krümmung des
Raumes und seinem immanenten Chaos. Die erzeugten Impuls - Wellen können sich
zu einem hohen Maß an Harmonie und Gleichmaß verdichten, ewig fließend, egal ob
man einen Mini Moog oder eine Brettgitarre einstöpselt. Ein kleines Stück
Unendlichkeit.
Damals in den 60er , 70er Jahren, als die Klassiker der
Bandechos die Welt erschütterten (Echoplex, Echolette, Wem - Copycat, Roland
Space Echo etc.), hätte mindestens ein integrierter automatischer
„Jointroller" an diesen Geräten nicht störend gewirkt.
Auf ihrer Flucht vor grauem, repressivem Spießertum
beförderte das damals schon verfügbare Übermaß an "Space" sowohl viele der damaligen Rolemodels,
als auch deren Probanden mit "Bandeiern" *- genauem Timing in immer
neues überraschend vorhersehbares Chaos, nämlich das von unbezahlten
Rechnungen, leergefahrenen Tanks, Realitätsverlust, oder Gefängnisaufenthalt.
Eine Reise in die entgültig sinnfreie Erlösungszone war
auch drin, wie sich das für eine gesunde Widerstandsorientierung gehört.
*( die oftmals nicht so stabilen Motoren, die Bandführung
und das Ausleiern der Andruckrollen, die den Transportmechanismus der Tonbänder bilden führte zu
Gleichlaufschwankungen )
So manches langhaarige Hippie - Talent flippte am
Echogewaber genauso aus, wie andere pomadierte „Twang" - Köpfe an den kürzeren Delayzeiten und dem Kellerhall. Ein Effekt der Zeitverschiebung? Die Spacesounds waren mit Sicherheit eine adäquate
Begleitung zu den ewigen Entgrenzungsunternehmungen damaliger Freaks. Würdigen
wir die Echo-Freak-Profis und Kollegen, von denen nicht alle Drogisten sind
oder waren: Spotniks, Shadows, Chet Atkins, Dick Dale, Jimi Hendrix, Brian
Jones, Tangerine Dream, Neu, Die Kosmischen Kuriere, Ashra Tempel, Popol Vuh,
David Gilmour, Robert Fripp, Steve Howe, Steve Hillage, Bill Frisell usw. oder
zu guter letzt den Slapback - Meister Brian Setzer !
Wer's überlebte, gestählt wie Siegfried im Drachenblut,
der hatte die Chance, sich eine kontrollierbare und gesetztere Welt im
Rock'n'Roll Geschäft aufzubauen. Man konnte das Monster oder den Guru ja auch genau so gut kostenpflichtig, (in Anbetracht der guten Einnahmen durch ein Absturz - fasziniertes
Publikum), weiterspielen, ohne das Original fortwährend zu erleiden. Heute wird diese bizarre Welt unterhaltsam gesamplet -
Episode 17 bis 26. Wenn z. B. „Space Pilot" Eric Burdon zum 100.000sten Mal erklärt, wie es zu der Hendrix Zeile „S'cuse me, while i kiss the sky" kam. ( Jimi onanierte im Garten) „2000 Light Years from home", Uschi, erzähl uns, wie
und was es wirklich war mit dem Keith und Jimi, ich hab's immer noch nicht !
Weniger hübsch und noch vergänglicher als damalige
Groupies, konnten die alten Bandechos auch einiges oder vieles Mediokre, aber
auch Grandiose in sich aufnehmen, hatten aber bedeutend weniger Wiederholungen
im Angebot. Die meisten Motoren sind estgefahren, Druckwellen ausgeleiert, sie
dümpeln im Sumpf vergangener Echos vor sich hin.
Zurück zur Raumkrümmung bzw. zur Heisenberg'schen Unschärferelation. Das Schöne an den mechanisch komplexen wie empfindlichen
Bandechogeräten waren ihre freiwillig bis unfreiwilligen Modulationseffekte. Da
ja in der Natur die auf einen zukommenden Signale kurzfrequent, die sich
entfernenden langfrequent sind, kommt das Abfallen der Tonhöhe
(„Bandeiern") der „Spacebüchsen" den tatsächlichen Gegebenheiten
irgendwie entgegen.
Einige Echo - Maniacs, wie z. B. Robert Fripp oder Manuel
Götsching erweiterten die Delayzeiten dadurch daß sie Tonbandgeräte zu Echogeräten umfunktionierten, was auch der Gesamtstabilität zu Gute kam. Die
meisten der späteren Analog - und frühen Digital - Delays klangen verglichen
damit steril, hatten aber ein genaues Timing . Spätere Geräte, in den 80er
Jahren, wie das Roland SDE3000 oder das tc2290 waren mit kontrollierbaren Modulations - Parametern versehen und auf Grund ihrer hohen Auflösung schlichtweg bahnbrechend.
Die Rundheit des klangbildenden verdichtenden Charakters
der Röhrenechos konnte damit nicht erreicht werden; war auch nicht vorgesehen,
da man daranging, einen Gesamtklang durch die Möglichkeit zur Schaltung von
Einzelkomponenten zu variieren. Die derzeitige digitale Emulierung von Amps,
Boxen, Effekten, Mikrofonen oder Gitarren bietet da jedem Klangpuristen
Gelegenheit zur schaurigen Ernüchterung angesichts der Erfordernisse des
Marktes. Ich habe nach wie vor beste Erinnerungen an die großen Sounds vorgeschalteter Röhrenechos, irgendwie noch clean aber unglaublich fett und
drückend. Allerdings umso schlechtere an die Kontrollierbarkeit solcher
Szenarien : Aufwärmung, Empfindlichkeit der Tonbänder und Übersprechen der
Motoren schufen unfassbare Nebengeräusche.
Es gab meistens verschieden empfindliche Eingänge mit
jeweils einem oder zwei Tonpotis - das reichte zur Übersteuerung ! Dann drehte
man nach Belieben das Echo auf, die Komprimierung im Amp hielt dann das direkte
Signal im Vordergrund und das Echo tauchte nur innerhalb der Spielpausen auf,
wenn man es so wollte. Diesen Effekt hat man heute auch digital zur Verfügung,
wie auch andere Bandeffekte, wie Frequenzabnutzung oder ungleichmäßiger
Bandlauf nachgebildet werden können. Für die Dynamik von Röhren reicht's
digital noch nicht, sowohl im Sound, als auch im Spielgefühl. Aber es gibt
inzwischen absolut ernst zunehmende Bandecho-Simulationen, auf die man auf jeden Fall zurückgreifen kann und sollte, respektive der schwierigen Beschaffungssituation funktionstüchtiger Originalgeräte und deren aufwändiger
Wartung.
Das Roland RE201 „Space Echo" ist ein absolute
Klassiker der Band - Echos; keine Röhren, sondern Transistoren kamen hier zum Einsatz. Es erfuhr mehrere Neuauflagen mit zusätzlicher Verfügbarkeit von
Chorus, Sound on Sound, was die Delayzeiten nochmal verlängerte, und auch eine
Rackversion wurde zuletzt noch angeboten. So entdeckte ich meine Pedal - Echos, String-artige
Schwellsounds mit sich überlagernden Delays! Bei „Sunya-Beat" benutze ich
das in Verbindung mit meine Theremin - Pedal von Z-VEX, und
auch die von Dub-Mixern verwendeten Feedback-Oszillations-Effekte mit runter oder rauf geregelter Bandgeschwindigkeit sollten hier kurz erwähnt werden. Man hat mehrere unterschiedlich abgreifbare Tonköpfe und
eine Hallspirale zur Verfügung. Das bietet ein sehr komplexes Instrument zur
Raumgestaltung - z. B. kurzes Delay mit längerem Echo. Brian Setzer schwört auf
diese Kombinationen im Hinblick auf seine Rockabilly - Gewitter. Phil Manzanera
hat die späte Rackversion auf der 80'er Roxy Music - Tour eingesetzt; da war
ich schon neidisch, als mein mühselig ins Selbstbau-Rack gefriemeltes „Space
Echo" auf die Bühne gerollt wurde, zwecks einwöchigem Einsatz im Support -
Act.
Die analoge Effekt - Welt wurde zunehmend durch digitale
Schaltzentralen bedient, und auch durch rein digitales erweitert oder ersetzt. Es war eine Zeit der Equipment-Träume ! Gitarren-Anlagen
in der Größe von Frittenbuden wurden in geheimen Phantasien vorgestellt,
vorfinanziert und von treuen Roadies unter zum Teil haarsträubenden Umständen
auf die Bühnen bewegt. Aber wir wollen die Überwindung der Materie nicht zu weit
treiben. Zum Glück haben wir wieder zu kleineren Einheiten
zurückgefunden, und die lustige bunte 70er Rock'n'Roll Welt taucht auch wieder
bei lustigen und fleißigen 00er Retro-Teenagern auf.
Ich habe manchmal zwei Geräte eingesetzt, sehr geil mit „Wah" ! Kennen Sie „Supersticious" von Jeff Beck? Mit den damaligen Echolette- oder Schaller-Echos hatte
ich auch viel Spaß, die hätte ich auch mal gerne wieder zur Verfügung. Das
„goldene" Echolette konnte ultraclean und satte Übersteuerung nur vom
Volume Poti der Gitarre gesteuert liefern - war ein Wahnsinns-Sound.
Was wünsche ich mir noch ? Das direkte Half Speed -
Abspielen, also nicht Zeit - korrigierte Oktavierung nach unten. Technisch
eigentlich kein Problem, macht nur keiner - baut nur keiner, wahrscheinlich aus
gutem Grund. Ich wüsste allerdings, was ich damit anfange. Ich bin ein alter Fall von Widerstandsorientierung. Die entgegengesetzte Zeitachsenverschiebung ist ja
wirklich purer Sprengstoff, also Zeit - philosophisch noch interessanter : das
direkte Doublespeed - Abspielen, angenommen man spielt real eine Minute, ist aber hörbar schon nach einer halben Minute fertig. Zeit ohne Grenzen! Der Mann, der die Bombe liebte.
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