AXEL MANRICO HEILHECKER   PHONOKULTUR A.M.H.
FISHMOON  SUNYA BEAT  PHONOROID GRAND GUITARS  BLUES TURN RED WIND CRIES MARY







axel manrico heilhecker


press and photos


guitar 2/98

Der Mann hat viel zu tun - nach dem erfolgreichen Debüt seines Duos Phonoraid häufen sich die Aufgaben als Musiker und Produzent. Nebenbei begleitet Axel Heilhecken Show für Show Deutschlands schrägsten Moderator Harald Schmidt.

guitar: Axel Heilhecker als Gitarristen, aber nicht jeder weiß, daß du auch viel produzierst. Woran arbeitest du zur Zeit?
Axel Heilhecker: Momentan steht die Arbeit an dem Phonoraid Projekt mit Sängerin Vanessa Vassar im Vordergrund. Dazu steuert auch Percussionist Harald Grosskopf einiges bei. Wir produzieren gerade die zweite CD, und das nimmt mich ziemlich in Anspruch. Andere Projekte gestalten sich um diese Arbeit herum. Mit Harald Grosskopf habe ich die Band Sunya Beat, deren Scheibe im März veröffentlicht wird. Das Projekt basiert auf Percussion und Gitarre, dazu Space Sounds und Loops. Außerdem habe ich eine Gitarren-CD unter meinem Namen gemacht und produziere den Flötisten Andreas Ludwig, der sich auf indische Bambus-Flöten spezialisiert hat. Auch mit Jane Palmen arbeite ich. Dann gibt es noch N-Tribe mit Harald Grosskopf und Steve Baltes an Keyboards und Sequencer, das sind sehr moderne Beats mit starkem Techno-Einschlag, aber eher meditativ, Ambient-mäßig. Langweilig wird mir auf keinen Fall.
quitar:
Wie weit seid ihr mit der Arbeit am neuen Phonoraid Album?
Axel:
Fast halbfertig. Es wird wohl zum Herbst erscheinen. Die erste Scheibe haben wir über die Dauer eines Jahr produziert, allerdings waren es tatsächlich nur fünfzehn Tage. Vanessa wohnt in Berlin und kommt ab und an für ein paar Tage her. An solchen Wochenenden nehmen wir dann fünf Stücke am Streifen auf.
guitar:
Wo sind die Unterschiede zwischen dem Debüt und der kommenden Scheibe?
Axel:
Das ist schwer zu sagen, da mir der Abstand fehlt. Grundsätzlich ist die Arbeitsform, die wir auf der ersten Scheibe zufällig kultiviert haben, ein bewußter Bestandteil unserer Arbeit geworden: Das Improvisierte, bei dem man möglichst schnell eine hohe Qualität an den Start bringen muß. Bei der ersten Platte hatte ich beim Mastering viel Arbeit, um einen möglichst guten Sound rauszuholen. Ich bin da manchmal auch einfach überfordert. Ich bin gleichzeitig Musiker und Toningenieur und dann noch Produzent. Das ist manchmal etwas viel - zumal ich sehen muß, daß alles anständig auf Tape kommt und nichts zerrt. Ich habe oft überlegt, größer angelegt zu arbeiten, aber ich glaube, bei uns beiden wäre das nicht von Vorteil. Unsere eigentliche Stärke ist das Improvisierte und Bildhafte. Die Weiterentwicklung liegt im konsequenten Akzeptieren diesen Prinzips.
guitar:
Das System ist das gleiche geblieben. Es gibt nur wenige Takes pro Song. Aber es wird zusammen aufgenommen?
Axel:
Das sind alles First Takes. Sonst würde es nicht richtig zusammengehen. Bei der Nachbearbeitung probiere ich schon mal Dinge aus, aber alles im minimalen Bereich. Unser Interesse ist es, die wenigen Sachen auf dem Band gut und raumfüllend zum klingen zu bringen. Wenn diese Spuren vernünftig aufgenommen sind, klingt es unwahrscheinlich satt: Je weniger da ist, desto größer ist der Sound. Es ist nicht so, daß man bei hundert Spuren einen größeren Sound erhält.
guitar: Du spielst sämtliche Saiteninstrumente, du bist Toningenieur, du bist Produzent. Gibt es da Probleme?
Axel: Das ist ein einziges Problem.
guitar: Wie charakterisiert der Produzent Heilhecker den Gitarristen Heilhecker und umgekehrt?
Axel:
Jeder sagt von jedem: Es ist eine absolute Katastrophe. Es ist einfach der Horror. Ich tue mich da sehr schwer. Ich bin anspruchsvoll und muß dann erkennen, daß ich mich in der Ausübung meiner Fähigkeiten jenseits von Gut und Böse bewege. Ich bin da schon sehr kritisch. Es verlangt sehr viel Geduld, aber ich habe mich ganz gut damit arrangiert. Ich gehe relativ gelassen mit der Erkenntnis meiner eigenen Begrenztheit um. Ich raste nicht mehr aus und sage mir: Axel, du darfst so sein, es soll s0 sein, also mach was draus.
guitar:
Auf den Aufnahmen sind sehr viele Akustikgitarren. Wie nimmst Du die auf? Axel: Das ist sehr unterschiedlich. Manche nehme ich völlig traditionell auf, eine uralte Gretsch zum Beispiel, die wird einfach mit einem Neumann Mikrofon abgenommen. Das stimmt in sich. Bei elektro-akustischen Gitarren gibt es verschiedene Möglichkeiten. Meine Grundanlage besteht aus dem Digitech 2101 Preamp. Er hat einen Loop zwischen Preamp und Effektsektion, dort schleife ich einen Fender Concert Amp ein und kann Mischformen herstellen. Dadurch wird der Sound bassiger. Manchmal verwende ich den Digitech auch mit einem Marshall 6101 LM Amp. Dieses Set ist auch für die Elektro-Akustikgitarren praktikabel, etwa bei den Godin Modellen Acousticaster und Multiac. Ich spiele es auch live bei Phonoroid. Dort sind sehr viele Gitarren mit verschiedenen Tunings am Start. Jedes zweite Stück hat ein anderes Tuning. Dadurch wird die Variabilität hergestellt, es gibt ja nur Gitarre, Loops und Percussion.
guitar:
Du hast auf der ersten Phonoroid CD häufig Slide gespielt. Gab es da ein Standard Setup?
Axel: Nein, das geht querbeet. Ich experimentiere gerne. Natürlich stelle ich fest was mir besonders gut gefällt. Aber ich stelle auch fest, daß die Dinge, die mir besonders gut gefallen, beim nächsten Mal nicht so gut passen. Dann zettle ich wieder etwas anderes an und wage mich in einen Bereich vor, den ich auch als Gitarrist in einer neuen, mir unbekannten Art gestalten muß. Ich suche unbewußt wohl immer das Risiko einer Gratwanderung, unbekannte Gebiete. Das ist zwar nicht praktisch und manchmal leicht stressend, aber auch unwahrscheinlich freistellend. Man muß nicht in der Musikgeschichte graben, um etwas auf Band zu bringen. Man kann aus dem Moment schöpfen. Da halten sich das Angenehme und das Unangenehme die Waage. Es gibt sehr schöne Kombinationen mit den elektro- akustischen Gitarren und dem Fender Amp, die gut komprimiert sind und sehr dynamisch klingen. Auch sehr akustisch.
guitar: Wie ist dein Tuning beim Slidespiel?
Axel:
Ich mache das sehr unorthodox. Erst vor kurzem hat mir ein traditioneller Slidespieler ein paar Standard Slide Tunings gezeigt. Ich experimentiere da eher. Ich höre etwas, drehe so lang rum bis es mir gefällt und mache dann was draus.
guitar: Das Tuning steht also beim Komponieren nicht fest?
Axel:
Nein. Ich höre etwas und versuche es dann zu verändern. Ich finde es sehr reizvoll mit ganz unterschiedlichen Tunings zu arbeiten. Früher habe ich den fehlergemacht mir das nicht aufzuschreiben, und dann entstand die Situation, daß ich mir alles erst wieder raushören mußte. Heute schreibe ich mir das immer auf. Live mit Phonoroid muß ich alles vorher tunen. Man kann ja nicht während des Konzerts umstimmen, das machen die Instrumente nicht mit. Das ist viel Arbeit vor den Gigs.
guitar:
Was ist denn ein typisches Axel Heilhecker Tuning?
Axel:
Eines in meiner Lieblingstunings ist es, die Gitarre in C zu stimmen. Es ist eher ein D-Tuning, aber mit C im Bass. E- und D-Saite sind in C gestimmt, entsprechend die A-Saite in G, und dann variiere ich obenrum. Die G-Saite lasse ich entweder in G, oder ich stimme sie runter, von Fis bis sonstwohin. Immer mit Oktaven drin. Ich habe eine Tuning-Liste. Gerne arbeite ich mit folgenden Tunings (1. Ton jeweils tiefe E-Saite): DADAAD/ CGCGCC/BFisBEFisB/BFisBFisBD
guitar: Du benutzt relativ traditionelles Material. Im Studio stehen jede Menge Strats, Teles, Semi-Akustiks.
Axel:
Ich habe zwar ein Steve Vai Modell, bin aber in erster Line ein Strat-Spieler. Auch die Telecaster kommt mir da entgegen, außerdem Gretsch Halbresonanz oder 335er Modelle. Ich mag diese Instrumente, sie interessieren mich mehr als ein Gitarrensynthesizer.
guitar: Seit zwei Jahren sieht man dich im Fernsehen, oder besser gesagt, sieht man dich nicht im Fernsehen. Ist es beabsichtigt, daß die Kamera dich bei der Harald Schmidt Show nicht einfängt?
Axel:
Das liegt an der Kameraführung. Wenn ich im Bild wäre, dann würde man andere Teile der Band nicht sehen. Irgend jemand ist davon betroffen. Lange Zeit waren auch die Bläser nicht zu sehen, die haben wir aber mittlerweile umgebaut. Jetzt stehe ich alleine in diesem toten Kamerawinkel. Ich nenne das den Corridor of Power, denn da wird es richtig laut. Wir haben ja früher sehr viel mit Gästen gespielt, das ist aber dann redaktionell abgeschafft worden.
guitar:
Was sehr schade ist.
Axel:
Es ist sehr schade. Andererseits kann man so etwas auch auf MTV sehen. Unsere Zuschauer wollen in erster Linie Harald Schmidt sehen, was ich auch gut verstehen kann. Sein Standup ist das eigentlich witzige in der Show. Wir spielen nur noch Einleitungen wenn ein Gast kommt oder begleiten Harald. Das sind aber kurze Einsätze.
guitar:
Wo liegt Axel Heilheckers Charakter in der Schmidt Band?
Axel: Die Qualität, die bei der Schmidt Show gefragt ist, ist meine Rhythmusgitarre, WahWah im Stil der Siebziger Jahre. Ein Groove, den die Band schnell erzeugt. Das ist dort sehr wichtig. Gleichzeitig auch die Vielseitigkeit, unterschiedliche Sounds anbieten zu können. Einfach mein spezieller Charakter, schließlich wurde die Band nach charakterlichen Gesichtspunkten zusammengestellt.
guitar:
Wie sieht dein Setup bei der Schmidt Show aus?
Axel: Das gleiche Setup wie sonst auch, allerdings nicht mit dem Fender sondern dem Marshall Amp. Dazu eine Strat und eine Tele, beide von Godin. Die sind sehr universell und eignen sich besonders gut. Wir haben im Studio ein Problem mit Einstreuungen, aber die Pickups dieser Gitarren kommen damit sehr gut klar. Mit anderen Pickups würde ich wahnsinnig werden.
guitar: In der Schmidt Show seid ihr eine Art Top 40-Band, insofern ist es ein guter dauerhafter Broterwerb.
Axel:
Das ist genau das, was ich nicht will und wofür ich überhaupt nicht geeignet bin. Deshalb hatte ich am Anfang auch Vorbehalte. Doch Helmut Zerlett, der mich gefragt hat, besitzt, ähnlich wie ich, einen ganz anderen Background. Er braucht spezielle Charaktere, deshalb spielen wir alle bei Schmidt.
guitar: Aber durch Harald Schmidt kannst du doch unbelasteter an deinen anderen Projekten arbeiten.
Axel:
Ich lerne bei Schmidt auch einiges im Umgang mit anderen Leuten. Es ist zwar eine 4-Tage Woche, aber es ist dennoch immer wieder eine Herausforderung bei so einer Show zu spielen, auch wenn es zum Teil die gleichen Stücke sind. Die Bedingungen sind zwar manchmal etwas schwierig, allerdings langweilt man sich dadurch auch nicht.
guitar:
Du arbeitest viel mit Loops und Beats. Das ist im Moment sehr populär. Schielst du nicht manchmal dahin, eins deiner Projekte chartkompatibler zu machen?
Axel:
Das hängt davon ab mit wem ich arbeite. Ich bin relativ vielseitig und immer sehr interessiert an neuen Ausdrucksformen und dem Austausch mit Musikern. Im Moment sind es fast alles Duo Produktionen, somit ein sehr intensiver Austausch. Manche Projekte haben mit Beats zu tun, aber es sind keine künstlichen Ideen, die sich an der Masse orientieren. Das habe ich schon hinter mir. Mich interessieren Neuerungen und persönliche Ausdrucksformen. Trends zu bedienen langweilt mich. Da suche ich instinktiv etwas neues. Bei den Loops war es dasselbe. Heute verwende ich die typischen Beatloops nicht mehr, mich interessieren jetzt andere Klangelemente.
guitar:
Würdest du dich als progressiv bezeichnen?
Axel:
Das weiß ich nicht, ich bin auch Traditionalist. Ich verbinde die Traditionen mit Neuerungen.
guitar:
Ist das der Unterschied zwischen dem Gitarristen Heilhecker und dem Produzenten Heilhecker?
Axel: Von den Empfindungen bin ich ein Blues-Spieler, mit First Takes und solchen Dingen. Das kommt der freien Entfaltung sehr entgegen. Der klassische Blues, das sind authentische Empfindungen des Moments. Es ist nicht konstruiert. Das ist die Wurzel. Heute geht es mit flexibleren Instrumenten sehr viel weiter. Ich bin Gitarrist und somit sehr traditionell, aber es ist dasselbe Prinzip.
guitar:
Eigentlich sind Gitarristen eher konservativ.
Axel: Das war ich nie. Ich habe immer versucht, das Traditionelle auf unkonventionelle Weise darzustellen. Entweder durch Sound kombiniert mit alten Spielweisen oder durch merkwürdige Spielweisen mit altem Sound.
guitar:
Bist du jemand, der unheimlich viele Ideen hat, und dann Probleme hat, diese zu kanalisieren?
Axel:
Ich denke zuviel, das ist oft mein Problem. Mir fallen immer wieder neue Sachen ein, und ich denke dann, ich muß aber erst das eine fertig machen. Der Tag ist immerzu kurz.

Das Interview führte Chris Hauke
















tools for music 1/2003

Axel Heilhecker über die »Harald Schmidt Show«-Band

Von Stefan Woldach

It´s Showtime! Seit 1995 sorgt die Band der »Harald Schmidt Show« Dienstags bis Freitags für das musikalische Rahmenprogramm von Deutschlands erfolgreichstem Late- Night-Talker. Legte man die Einschaltquoten zu Grunde, gehörte die Band um Keyboarder Helmut Zerlett zu den bekanntesten Acts der Republik. Dass die vom Bandleader handverlesenen Musiker allesamt gestandene Profis mit erfolgreichen Karrieren sind, weiß kaum jemand. Und wie es hinter den Kulissen des Kölner Studio 449 zugeht erst recht nicht. Gitarrist Axel Manrico Heilhecker gewährt Einblicke in die Arbeit von Deutschlands prominentester Show-Band.

t4m: Mal ehrlich: Wie viel ist bei einer »Harald Schmidt Show« spontan, und wie viel wird vor der Sendung bereits festgelegt?
Axel Heilhecker: Das ist eine relative Angelegenheit. Wir haben ein Set von rund 200 Stücken, das wir uns über die Jahre erarbeitet haben. Die Stücke haben wir in verschiedenen Längen geübt, je nachdem, wie der Ablauf einer Sendung gestaltet ist und wie viel Zeit der Regisseur nach dem Einstieg in die Show hat. Alle Stücke sind exakt getimt, damit Ton- und Bildregie genau wissen, wann ein Werbe-Bumper gestartet werden muss. Die Werbeblöcke werden ja später erst reingeschnitten, da wir live vorproduzieren.

t4m: Wie sieht die Vorbereitung der Band für eine Sendung aus?
Axel Heilhecker: Grundsätzlich werden alle Stücke eines Abends geprobt. Die Band spielt dabei bis auf die Bläser ohne Noten, und zwar aus Prinzip. Nicht, weil wir es nicht könnten, sondern weil es unserem Ethos entspricht. Und dann gibt's eben noch Harald Schmidt, den Meister des Überraschungseffekts, der es mag, bestehende Formen aufzulösen. Dadurch ergeben sich dann ganz spontane Anforderungen.

t4m: Ich erinnere mich an einen Abend, an dem der Boss sich über die angebrannte Matratze von Sabine Christiansen lustig gemacht hat und ihr daraufhin Midnight Oils »Beds Are Burning« gespielt habt.
Axel Heilhecker: Ja, klar! So eine Spontaneität ergibt sich daraus. Wir haben eben unser Grundrepertoire, aus dem wir schöpfen. Das meiste sind Nummern aus den Siebzigern, die Klassiker jener Zeit.

t4m: Ihr habt in den fast 800 Sendungen auch Gäste von den »Sugababes« bis Brian Ferry live begleitet. Gibt es eine Show, die du nie vergessen wirst?
Axel Heilhecker: Ja, die mit Otto Walkes! Er schickte uns am Abend vorher eine Liste, auf der etwa 20 Titel standen, die er unbedingt angespielt haben wollte, von den »Eagles« bis »Queen«. Die Nummern haben wir uns dann in der Kürze der Zeit grob draufgeschafft. Das war schon ziemlich heftig. Aber schlimm ist eher, wenn du mit Leuten zusammenarbeitest, die keinen Plan haben, sich aber unwahrscheinlich ausbreiten und aufblasen.

t4m: Gab's auch schon mal eine richtige Panne in der Band? Irgendwas richtig Peinliches?
Axel Heilhecker: Alles ist peinlich, was wir machen (lacht)! Aber mal ehrlich, das darf auch ruhig mal passieren. Harald zum Beispiel freute sich diebisch, als die Orgel brannte! In irgendeiner Sendung fing Helmuts Orgel Feuer, da hatte sich ein Transformator entzündet und dann qualmte das Ding! Helmut stand ratlos mit der Wasserflasche daneben und wusste nicht recht, ob er die in die Orgel schütten sollte! Und dann gibt's natürlich Situationen, in denen wir einen Song nicht spontan bedienen können oder in denen der Regisseur vergisst, uns Bescheid zu geben und wir einfach weiter und weiter spielen - und Harald sitzt am Schreibtisch und guckt... (lacht)

t4m: Was mich schon immer mal interessiert hat: Für wen spielst du eigentlich bei der Show? Für die Kamera? und was, wenn Werbung ist? Wendest du dich dann ans Studiopublikum?
Axel Heilhecker: Interessante Frage. Wir sind ja keine Mietmucker, sondern eher Charaktere, die es gewöhnt sind, vor großem Publikum zu spielen. Deshalb war diese Frage für mich sehr wichtig, als die Anfrage an mich gerichtet wurde, zur Band zu kommen. Denn die Sache ist doch die: Du spielst im Grunde vor einem Publikum im Saal, das aber nicht das Publikum ist, das der Sender eigentlich erreichen will.

t4m: Das sitzt zu Hause vor dem Bildschirm.
Axel Heilhecker: Genau. Es geht also um die Kamera. Deswegen musst du da anders an die Performance herangehen. Doch das Wesentliche für mich ist, den Sound zu bedienen und weniger das Bild. Bei Helmut ist das sicherlich anders, weil er eine exponierte Stellung in der Band hat und von Harald direkt angesprochen wird. Ich muss mich nicht so sehr auf ihn konzentrieren wie Helmut. Im Grunde ist Harald der Lead-Sänger unserer Band.

t4m: Wie ist eigentlich euer Boss, wenn er nicht »on Air« ist?
Axel Heilhecker: Beliebte Frage! Er ist ein interessanter, wacher, sehr sympathischer und freundlicher Mensch, dazu loyal und hilfsbereit. Er ist ja generell in den Medien ein gefragter Gesprächspartner, weil er immer eine sehr eigene Position besetzt und mit seinen intellektuellen Fähigkeiten interessante Statements bieten kann.

t4m: Welche Voraussetzungen und Qualitäten sollte man für den Job als Musiker einer Show-Band mitbringen? Axel Heilhecker: Ich würde den Leuten raten, sie sollen von Herzen spielen, eine Menge lernen und ihr Talent pflegen. Es hängt alles davon ab, wie viele Vokabeln man bereit ist zu lernen. Jemand wie Mel Collins, der in der ganzen Welt herumgereist ist und für alle Rock- Größen gespielt hat, der mit Sicherheit mehr Vokabeln als ich kann und darüber hinaus einen eigenen Stil entwickelt hat, wird den Maßstab sicherlich noch höher ansetzen als ich.

t4m: Wie sieht dein Setup in der »Harald Schmidt Show« aus? Ich könnte mir vorstellen, dass du auf Faktoren wie Zuverlässigkeit und Vielseitigkeit besonderen Wert legst.
Axel Heilhecker: Ja, die Wahl des Equipments ist in der langjährigen Arbeit entstanden, mit dem Ziel, etwas zu finden, das sehr einfach und kompakt ist. Ich habe früher auch »Kühlschränke« durch die Gegend geschleppt. Aber diese großen Anlagen mit all ihren Effekten sind mir zu schwierig. Ich versuche zu reduzieren, wo es nur geht. Ich spiele bei uns im Studio grundsätzlich über den Line-In, da wird nichts mit dem Mikro abgenommen. Dafür benutze ich einen älteren Digitech-Prozessor mit analoger Vorstufe. Den kombiniere ich mit verschiedenen Fußtretern, was in Verbindung mit den zum Teil alten Instrumenten, die ich spiele, einen schönen, klassischen Sound ergibt. Hauptsächlich sind das eine 1967 »Stratocaster«, eine Gibson ES-335 und eine »Les Paul«.

t4m: Ihr seid ja eigentlich eine Top-40-Band, was im krassen Gegensatz zu deinem Output und deinen Hörgewohnheiten steht. Verfolgst du die aktuellen Charts, oder wird dir da eher übel?
Axel Heilhecker: Ich bin sehr wählerisch geworden, was Musik betrifft. MTV finde ich anstrengend. Ich bin aber von meiner Grundstruktur her immer neugierig, was läuft. 

t4m: Helmut Zerlett, der ja das »Nightwater Studio« (in dem u.a. »Die Prinzen«, Michael Mittermeier und Jim Capaldi aufnahmen) und mit »Non Food Publishing« einen eigenen Musikverlag besitzt, hat kürzlich in einem Interview angedeutet, es könne durchaus auch mal ein Album von euch geben.
Axel Heilhecker: Ich weiß, dass Helmut angefangen hat, ein paar Dinge aufzunehmen. Er hat ja gerade sein Soloalbum eingespielt und da zum Teil auch mit den Musikern der Band gearbeitet. Aber für ein Album der Studioband gibt es keinen konkreten Plan. Das Problem ist, dass wir in der Show sehr leicht verständliche Musik spielen. Wenn es aber um die eigene Musik geht, machen wir doch ganz andere Sachen.

t4m: Du selbst experimentierst bei deinen vielfältigen Projekten recht stark. (siehe Kasten) Was für Termine stehen für dich 2003 an?
Axel Heilhecker: Momentan bin ich sehr stark mit Filmmusik beschäftigt, weil die Vanessa Vassar (von seinem Projekt »Phonoroid«) in Santa Fé lebt und enge Verbindungen nach Hollywood zur Filmindustrie hat, zu Leuten wie Alton Walpole, der an den »Kooyaanisqazi«- Filme gearbeitet hat, oder Michael Stern, der Sachen für »Titanic« gemacht hat. Nachdem wir die Musik zu »American Waitress« geschrieben hatten, der übrigens hervorragend aufgenommen wurde, gibt's immer wieder Anfragen und Kontakte. Dazu erscheint bald unser drittes Studioalbum »Craving Astonishment«, und dann arbeite ich gerade an neuen Stücken mit Steve Baltes, die in die Richtung Miles Davis und Herbie Hancock gehen. Ich habe genug zu tun. Und ich freue mich, dass ich einige Dinge bewegen darf.

t4m: Viel Erfolg dabei!











musician 1/2004

Wenn man Ihn fragt, wie er zur Musik kam, verweist Axel Heilhecker auf BBC Radiosendungen und Bands
wie John Mayall´s Bluesbreackers und Led Zeppelin, deren Sound und Instrumentarium gar nicht so
klangen wie der bis dato definierte Gitarrensound. "Es war mehr so das experimentelle Feld, dass mich
interessierte, wo Verstärker auch richtig verzerrt wurden. Selbst in der Zeit, da ich schon professionell Musik machte, tauchte im Studio oftmals die Frage auf, ob mein verzerrt klingender Amp defekt sein.

Angefangen hat der Autodidakt auf einer billigen Akustikgitarre und erspielte sich über Auftritte
und Jam Sessions a la Grateful Dead sein erstes eigenes Equipment. "Um schnellere Schritte machen zu können, wäre es im Nachhinein schon gut gewesen, Unterricht zu nehmen. Anderseits versuchte ich, Songs von John Mc Laughlin zu adaptieren, ohne einen Grundplan vom jazz zu haben. Später unterrichtete mich Don Cherry, der mir einen sehr individuellen Zugang zur Jazzmusik vermitteltes." Als Musiker und Songwriter arbeitete Axel Heilhecker mit Wolf Maahn, Herbert Grönemeyer, Grace Jones, Willy DeVille und Steve Miller und verkaufte 1.5 Million Tonträger.

musician: Axel, was macht Dein aktuelles Projekt Phonoroid mit Vanessa Vassar und wie würdest Du den Sound beschreiben.
Axel: Die neue CD ist bald fertig. Es ist eine sehr spezielle Musik, kreativ und spacig arrangiert. Vanessa hat
eine sehr expressive Stimme und wenn ich den Sound beschreiben soll, würde ich sagen, dass es sich wie eine
Country Version von Björk anhört. (lacht)
musician: Woran arbeitest Du noch?
Axel: Eine Produktion die noch in diesem Jahr veröffentlicht werden soll, resultiert aus der Zusammenarbeit mit DJ Steve Baltes. Die Songs sind sehr atmosphärisch mit jazzigen Elementen, allerdings modern produziert mit coolen Beats. Mit Harald Grosskopf (Ashra Tempel, Klaus Schulze) arbeite ich noch am Suny Beat Projekt.
musician: Dein Studio zieren viele alte Gibson und Fender Vintage Player. Wie kommt es, dann Du jetzt Nik
Huber Gitarren verwendest?
Axel: Ein Bekannter von Nik fragte mich, ob ich dessen Gitarren testen wolle. Ich kannte Nik´s Instrumente aus verschiedenen Gitarrenmagazinen und sie gefielen mir optisch sehr gut. Obwohl die Test allesamt sehr gut waren, schreckten mich Attribute wie "sehr modern klingend" erst mal ab, da ich ja soundmäßig mehr mit Vintage-Instrumenten verbunden bin.Nachdem ich einige Instrumente ausprobieren durfte war ich doch sehr von der Direkt- und Offenheit überrascht, die ich bei guten alten Gitarren schätze.Nik hat mir dann eine Orca gebaut, die sowohl den Ansprüchen einer vollklingenden Les Paul sehr nahe kommt und sich aber gleichzeitig für andere Styles sehr gut eignet, da sie sehr durchsetzungsfähig ist.
musician: Deine Orca hat einen Brazillian Rosewood Neck, der bei ganz wenigen Gitarrenbauern als Maß aller Dinge gilt.
Axel: Mir ist es eigentlich egal, aus welchen Materialien ein Gitarrenhals gebaut wird. Da ich viel live spiele und sehr flexibel sein muss, ist es toll, ein modernes Allroundinstrument zu haben, das eine gewisse Solidität und die Attribute einer Vintage Gitarre besitzt. bei den alten Schätzchen muss man ja ständig aufpassen, dass man nirgendwo anstößt. Nik hat bei der Auswahl der Hölzer, Hardware und den sehr klingenden Harry Haeussel Pickups gutes Händchen bewiesen und das alles führte zu einem einfach tollen Ergebnis.
musician: Du spielst auch die neue silberne Doplhin BoltOn. Für welchen Sounds verwendest du Sie?
Axel: Ich setze die Dolphin Bolt-On gerne für Slide und Surfsounds ein. Was ich an dieser Gitarre sehr schätze ist, dass sie trotz P90/Humbucker-Kombination gewisse Stratsounds bringt, aber trotzdem sehr fett und percussiv klingt.
musician: Herzlichen Dank.